Das BioPsychoSoziale Modell bei Rückenschmerzen

Rückenschmerzen sind oft mehr als nur Rückenschmerzen. In diesem Blogbeitrag rede ich über das sogenannte biopsychosoziale Modell. Hier zeige ich ein paar Studien, die zeigen, dass dein mentaler Zustand und dein Umfeld einen grossen Einfluss auf deine Gesundheit haben können.

Der psychologische Anteil bei Rückenschmerzen ist erheblich und wird in der medizinischen Forschung zunehmend betont. Studien zeigen, dass psychosoziale Faktoren eine zentrale Rolle sowohl bei der Entstehung als auch bei der Chronifizierung von Rückenschmerzen spielen.

Patienten mit positiver Einstellung und guter Schmerzbewältigung zeigen oft bessere Erholungsergebnisse. Auch psychologische Begleittherapien sind bei chronischen Schmerzen zunehmend etabliert.

Psychologische Faktoren und Rückenschmerzen

Schauen wir uns nun einige Faktoren an:

1. Stress und Anspannung
  • Chronischer Stress führt zu Muskelverspannungen, insbesondere im Rücken- und Nackenbereich.
  • Die Ausschüttung von Stresshormonen kann Schmerzen verstärken.

 

2. Depression
  • Patienten mit Depressionen haben ein höheres Risiko für chronische Rückenschmerzen.
  • Schmerz wird intensiver wahrgenommen und die Motivation für Bewegung nimmt ab.

 

3. Angst und Katastrophendenken

  • Übertriebene Angst vor Bewegung (Fear-Avoidance-Verhalten) führt dazu, dass Betroffene körperliche Aktivitäten vermeiden, was die Muskulatur schwächt und Schmerzen verstärkt.
  • Katastrophendenken ("Der Schmerz wird nie weggehen") erhöht die Schmerzintensität.

 

4. Schlechte Stressbewältigung
  • Menschen mit begrenzten Bewältigungsstrategien neigen dazu, Schmerzen stärker zu empfinden.

 

5. Arbeitsplatzstress und soziale Konflikte
  • Hoher Druck oder Konflikte am Arbeitsplatz erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Rückenschmerzen.

 

Zahlen und Studien

Psychische Belastungen sind bei über 50 % der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen beteiligt. Patienten, die eine kombinierte Therapie (körperlich + psychologisch) erhalten, zeigen 30–40 % bessere Ergebnisse bei der Schmerzlinderung und der Wiederaufnahme normaler Aktivitäten.

 

Biopsychosoziales Modell

Das biopsychosoziale Modell betrachtet Rückenschmerzen nicht nur als körperliches Problem, sondern als ein Zusammenspiel von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren. Psychologische Belastungen können dabei ebenso wichtig sein wie körperliche Ursachen.

Das Biopsychosoziale Modell ist ein wissenschaftliches Konzept, das die Gesundheit und Krankheit eines Menschen nicht nur aus einer rein biologischen Perspektive betrachtet, sondern auch psychologische und soziale Faktoren einbezieht. Es wurde in den 1970er Jahren vom Psychiater George L. Engel entwickelt und hat die traditionelle medizinische Sichtweise revolutioniert.

 

Drei Ebenen des Modells

Biologische Ebene:

Körperliche Aspekte, wie genetische Veranlagungen, Verletzungen, Entzündungen, Muskelverspannungen oder Fehlstellungen.

Beispiel: Ein Bandscheibenvorfall oder degenerative Veränderungen der Wirbelsäule.

 

Psychologische Ebene:

Gedanken, Gefühle, Überzeugungen und Verhaltensweisen, die Gesundheit und Krankheit beeinflussen.

Beispiel: Angst vor Schmerzen, depressive Verstimmungen, Schmerzkatastrophisieren (übermässige Sorgen über Schmerzen).

 

Soziale Ebene:

Soziale und kulturelle Faktoren, wie familiäre Unterstützung, Arbeitsplatzbedingungen und gesellschaftliche Normen.

Beispiel: Stress am Arbeitsplatz, soziale Isolation oder Konflikte in der Familie.

 

Vorteile des Biopsychosozialen Modells

Ganzheitliche Sichtweise - Der Patient wird in seiner Gesamtheit wahrgenommen.

Individuelle Therapieansätze - Kombination aus medizinischer Behandlung, Psychotherapie und sozialen Interventionen.

Bessere Therapieerfolge - Studien zeigen, dass die Kombination aus körperlichen und psychologischen Ansätzen die Erfolgsrate bei Rückenschmerzen deutlich erhöht.

 

Was bedeutet das nun für uns in der Medizin und Physiotherapie?

1. Es ist unzureichend, wenn wir unsere Patienten nur als 2 Beine und darüber einen Rücken und einen Kopf sehen. In vielen meiner Blogs habe ich öfter darauf hingewiesen, dass man die Probleme, die der Patient hat, nicht auf einem Röntgenbild oder einem MRT-Bild sehen kann

Lese auch: MRI - CT Scan und Co- Sinn oder Unsinn

Sind genauere diagnostische Mittel wie MRI und/oder CT-Scan, um Krankheiten oder Verletzungen festzustellen, sinnvoll oder ist es sinnlos und wollen lediglich die Kliniken oder Spezialisten ihr Portemonnaie füllen?

2. Wenn man wirklich wissen will, was die verschiedenen Ursachen sind, die bei Rückenproblemen eine Rolle spielen können, muss man sich als Arzt oder Physiotherapeut Zeit nehmen. Da hilft eine professionelle Vertrauensbasis.

3. Du brauchst kein psychologisches Studium gemacht zu haben.... Ein offenes Ohr und ein gutes Verhältnis zwischen Patienten und Therapeut/Arzt bringen dich schon ein gutes Stück weiter. Du solltest aber auch in der Lage sein zu erkennen, wann die Probleme des Patienten über deine Erfahrung hinausgehen. Dann ist weitere Hilfe notwendig.

 

Hinweis

In diesem Blogbeitrag ging es um Patienten mit Rückenproblemen. Schmerzen und körperliche Probleme müssen aber nicht nur vom Rücken kommen.

Dieses biopsychosoziale Modell ist auch auf andere körperliche Beschwerden anwendbar!

Autor: Pieter Keulen
Kategorie:
Gesundheit
Physiotherapie
Medizin

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